Zitate
Hazrat Inayat Khan: Das Lied in allen Dingen p.53
"Wenn die öffentliche Erziehung die Feinheit des musikalischen Geschmacks zerstört,
können die Menschen nichts dafür, dass sie keine Lust haben, wirkliche Musik zu hören.
Statt voranzukommen geht es dann rückwärts. Und wenn die Musik, als die wichtigste Aufgabe
der ganzen menschlichen Kultur, den Menschen nicht hilft, voranzukommen, so ist das ein wahrer Jammer."
"Die Würde ist nämlich eine ihr eigene Seite der Tugend, die sie sogleich auf die überträgt,
mit denen sie sich verbindet. Weil das die gewöhnlichen Ehren nicht bewirken,besitzen sie
offenbar nicht die der Würde eigene Schönheit."
Boethius: Trost der Philosophie (Drittes Buch) Sammlung Dieterich p.61
Schönheit der Tugend wird von Boethius offenbar als Einheit, als Einklang verstanden und
in den folgenden Ausführungen mit der Unwürde rein äusserlicher, vergänglicher Ehren
verglichen, denen fehlt nämlich die Schönheit, weil sie ist auch nicht an Tugend, sondern
an konventionellen Erfolg gebunden ist,an Erfolg, der auch Schurken in die höchsten
Ämter und 'Ehren' spühlen, erheben kann.
"Jede Generation sieht zweifellos ihre Aufgabe darin, die Welt neu zu erbauen. Meine Generation
jedoch weiss, dass sie sie nicht neu erbauen wird. Aber vielleicht fällt ihr eine noch grössere Aufgabe zu.
Sie besteht darin, den Zerfall der Welt zu verhindern. Als Erbin einer morschen Geschichte, in der
verkommene Revolutionen, tollgewordene Technik, tote Götter und ausgelaugte Ideologien sich vermengen,
in der Mächte ohne Grösse heute wohl alles zu zerstören, aber niemand mehr zu überzeugen vermögen,
in der die Intelligenz sich so weit erniedrigt, dem Hass und der Unterdrückung zu dienen, sah diese Generation
sich vor die Aufgabe gestellt, einzig von ihrer Ablehnung ausgehend, in sich und um sich ein weniges von dem,
was die Würde des Lebens und des Sterbens ausmacht, wiederherzustellen. Angesichts einer von Auflösung
bedrohten Welt, in der unsere Grossinquisitoren Gefahr laufen, auf immer das Reich des Todes aufzurichten,
ist sie sich bewusst, dass sie in einer Art gehetztem Wettlauf mit der Zeit einen nicht in Knechtschaft
gründenden Frieden unter den Völkern wiederherzustellen, Arbeit und Kultur wieder versöhnen und im Verein
mit allen Menschen einen neuen Bund schaffen sollte. Es ist nicht sicher, ob sie diese gewaltige Aufgabe
jemals wird erfüllen können; sicher ist jedoch, dass sie überall in der Welt bereits den zwiefachen Einsatz
von Wahrheit und Freiheit gewagt hat und gegebenenfalls ohne Hass dazu zu sterben weiss."
Albert Camus aus der Rede zur Verleihung des Nobelpreises. in. Fragen der Zeit. rororo 2023. p.227
"Man kann durchaus sagen, dass es möglich ist, dass an Stelle des äusseren heutigen
Komfortes,an den man sich allmählich gewöhnt hat, vielleicht schon in wenigen Jahren
ganz andere Gesichtspunkte sich einstellen müssen, dass es zum beispiel wieder
normal ist, einfach weil alles Äussre zertrümmert ist, barfuss zu gehen; dass also der
äussere Komfort, in den man sich weich hineingebettet hat, zunächst einmal zertrümmert
werden muss, damit der Mensch wieder aufmerksam wird auf sein eigentliches Wesen."
Professor F. Eymann, Vortrag 1939 in Bern, 1966 p.10
"Wenn wir die moderne Wissenschaft für die moderne Technologie verantwortlich machen,
dann haben wir damit die Grundlage einer ganzen Welt von Hässlichkeit. Das wenigste, was
gesagt werden kann, ist dies: Moderne Wissenschaft ist, all ihrer Gelehrsamkeit und Erfahrung
zum Trotz, ein unweises Wissen. Vielleicht ist die bedeutendste Lehre, worin die überlieferungs-
gemässe Kunst uns unterweisen kann, diese, dass Schönheit ein Prüfstein der Wahrheit ist."
Titus Burckhardt: Spiegel der Weisheit. Diederichs 1992 p.235
"Hinter den Bergen wohnen auch Leute. Sei bescheiden! Du hast noch nichts erfunden
und gedacht, was nich Andere vor dir schon gedacht und erfunden. Und hättest du's,
so betrachte es als ein Geschenk von Oben, was du mit Anderen zu theilen hast.–"
Robert Schumann: Musikalische Haus- und Lebensregeln 1954 p.15
"Ein freies Geistesleben, das der Würde der Menschheit gemäss ist, muss vor allem danach trachten,
eine Erziehung zu schaffen, welch in der Natur der Kinder, in deren seelischem und physischem Wachstum,
in den Entwicklungsmöglichkeiten selbst begründet ist. Niemals dürfte die Schule von einem Wirtschaftsleben,
das den Menschen 'vernützlichen' und niemals von einem politischen Leben, das ihn 'entpersönlichen' möchte,
bestimmt werden. Beide Gefahren drohen aber heutzutage dem Unterrichte immer verhängnisvoller."
Albert Steffen in 'Das Goetheanum' 1. Jahrgang Nr. 1 21. August 1921 p.4
"Ein gewisser Schritt nach vorwärts ist im Grunde genommen nur gemacht worden, als Goethe
die alten Begriffe flüssig machte, als er dadurch etwas ganz neues brachte, das heute noch immer
nicht gewürdigt ist: dass er auf den Begriff selber die Metamorphose, die Verwandlungsfähigkeit
anwendete, so dass für ihn werden konnte der Begriff des Blattes in seiner Verwandlung zugleich
der Begriff der Blüte, der Frucht usw. Dieses Beweglichmachen des Begriffes, Beweglichmachen
der Vorstellung, so dass man dieselbe Vorstellung in der Seele abändert und mit ihr die mannigfaltigen
Erscheinungen der Natur, die ja auch in sich beweglich sind, mit einem in sich beweglichen Begriff,
einer in sich beweglichen Idee verfolgen kann, das ist in gewisser Beziehung etwas Neues, und das ist
dasjenige, was ich vor vielen Jahren genannt habe die Zentral-Entdeckung Goethes. Es ist etwas
wirklich Neues. Aber sie hat eine Fortsetzung erst gefunden in dem, was wir hier die Geisteswissenschaft
nennen, und erst dies Geisteswissenschaft kann der Menschheit wiederum neue Vorstellungen,
neue Begriffe bringen, durch die es möglich wird, in die Wirklichkeit ein- und in sie unterzutauchen."
Rudolf Steiner 5. Juni 1917
1922 3.Vortrag: Die Notwenigkeit neuer und beweglicher Begriffe p.3
"Welt- und Lebensbejahung an sich kann nur eine unvollständige und unvollkommene Kultur hervorbringen.
Erst wenn sie sich verinnerlicht und ethisch wird, besitzt der sich aus ihr ergebende Fortschrittswille die
zur Unterscheidung zwischen dem Wertvollen und dem weniger Wertvollen erforderliche Einsicht und
erstrebt eine Kultur, die nicht nur aus Errungenschaften des Wissens und Könnens besteht, sondern vor
allem den Menschen und die Menschheit geistig und ethisch voranbringen will."
Albert Schweizer 'Aus meinem Leben und Denken' 1931 / 1959 p.129
"Der Staat hat die Pflicht, zwischen Freiheit und Sicherheit auszugleichen.
Ein Staat, der zugunsten der Sicherheit alle Freiheit opfert, tötet die Kultur
ebenso wie einer, der alle Sicherheit dem Freiheitsideal opfert. Das eine
Extrem führt zum Kommunismus, das andere zur Anarchie. Das eine zerstört
die organische Form, das andere zerstört auch die anorganische."
"...Rüstungspolitik und Friedenspolitik...Auch ein siegreicher Krieg erschüttert
die nationale Sicherheit...
Die Staaten sind verpflichtet,alles zu tun, um ihren Völkern Frieden und Freiheit
zu sicher....Der schlimmste Krieg ist der Bürgerkrieg. Er weckt die niedrigsten
Instinkte, zerstört die Formen des Lebens."
"Die meisten Staaten sichern ihre Einwohner vor Pocken ––– aber nicht vor Hunger."
R.N Coudenhove - Kalergi Los vom Materialismus
Paneuropa-Verlag 1951 p.174
"Wir wollen hier nicht vom moralischen Standpunkt aus über Lüge und
Wahrheit sprechen... Hier wollen wir nur von einem rein praktischen, nützlichen
Standpunkt ausgehen und feststellen, dass die Lüge dem Lügner schädlich ist.
Lüge verstimmt das Instrument der Erkenntnis, Vacana, und macht es für seine
Aufgabe, uns uns die Wahrheit erkennen zu lassen, unbrauchbar...Jede Lüge,
die wir aussprechen, Ausdruck eines willentlichen Missklangs zwischen Bedeutung
und Symbol, schafft weiter ein misstönendes Vasana *, das auf unbestimmte Zeit
in unserem unbewussten Denken fortbesteht. Die Widerholung von Lügen sammelt
die unstimmigen Vasanas, und unser Geist nimmt die Gewohnheit an, falsch zu denken."
* Gewohnheitsmuster, Denkgewohnheit, unbewusstes Denkmuster
C. Kerneïz: Der Karma Yoga Otto Willhelm Barth-Verlag 1950 p.126
"Er will es erklimmen, aber auf halbem Wege sinkt er ermattet hin.
Er kämpft mit dem furchtbaren Genius (der Natur), aber nur mit dem
irdischen, nicht mit unesterblichen Waffen.Dieser Schwäche sich bewusst,
entzieht er sich lieber einem Anblick, der ihn niederschlägt, und sucht Hilfe
bei der Trösterin aller Schwachen, der REGEL. Kann er sich selbst nicht
aufrichten zu dem Grossen der Natur, so muss die Natur zu seiner kleinen
Fassungskraft herunter steigen. Ihre kühnen Formen muss sie mit künstlichen
vertauschen, die ihr fremd, aber seinem verzärtelten Sinne Bedürfnis sind.
Ihren Willen muss sie seinem eisernen Joch unterziehen und in die Fesseln
mathematischer regelmässigkeit sich schmiegen. So entsteht der ehemalige
französische Geschmack in Gärten....Ihr (die Natur) gesetzter ruhiger Ernst
verträgt sich wenig mit diesen schnellen und leichtsinnigen Übergängen,
mit welchen man sie in dem neuen Gartengeschmack von einer Dekoration zur
andern hinüber hüpfen lässt."
Friedrich Schiller 'Von der ästhetischen Grössenschätzung'
Tempel-Klassiker Bd .4 p.193 f
"Es 'geht um etwas': in diesem Satz ist eigentlich das Wesen des Spiels am bündigsten ausgedrückt.
Dieses Etwas ist jedoch nicht das materielle Ergebnis der Spielhandlung, z.B. nicht, dass der Ball im
Loch sitzt, sondern die ideelle Tatsache, dass das Spiel geglückt oder oder aufgegangen ist. Dies
'Geglücktsein verschafft dem Spieler eine Befriedigung, die kürzer oder länger anhalten kann."
J. Huizinga 'Homo Ludens' 1939 p.81
"die Erscheinungswelt oder, wenn man das vieldeutige Lehnwort vorzieht, die Natur von den fernsten Lichtwolkenbällen und Spiralnebeln des Universums bis zum mikroskopischen Bakterium oder Infusor ist immer durchgestaltetes Bild, das zu verwirren, zu stören und manchmal wohl gar in ein 'Chaos' zu wandeln allein dem Menschen aufgespart blieb!"
Ludwig Klages Vom Wesen des Rhythmus 1934 p.12
"Wie ist das mit den Landnutzungsrechten", wollten mein Kollege und ich wissen,"sind sie sichergestellt?"
Wo ich auch hinkam, alle lachten sie: die Verantwortlichen der Gemeinde, die Holzfäller und die Ölhersteller. Nicht dem Menschen gehöre nach traditioneller neukaledonischer Auffassung das Land, der Natur gehöre vielmehr der Mensch, erfuhren wir. Und dass sich daraus die Pflicht ergebe, das Land verantwortungsvoll zu bewirtschaften...der Mensch gehört der Natur"
Annette Piperidis - Weleda Nachrichten, Winter 2020
‘‘Die Überlieferung erzählt vom früheren Leben Ninivehs. Die Niniviter schrieben ganze Bücher voll Irrlehren.
Man wusste zwar, dass es einem an Weisheit gebrach, dass man gar nicht wissen konnte, und doch tat man so,
als ob man wüsste. Und mit diesem unzureichenden Wissen überzeugte man andere mit Lehren und Dogmen,
die alle falsch und irreführend waren. Man sorgte für ein wissenschaftliches Kleid, und die berauschten Menschen
liessen sich durch die schön aufgebaute Argumentation betören und wollten nichts wissen davon, dass alles auf
Unterstellungen beruhte, auf der Annahme halber und nicht einmal halber Wahrheiten. Es war eine richtige
Besessenheit, die in Niniveh umging, dass man falsche Lehrsysteme verkündete und die Leute zu ihrer Annahme
Zwang. Eben dann, wenn man weiss, dass man in die Irre geht, will man die andern erst recht zum MItmachen zwingen.‘‘
Friedrich Weinreb - Das Buch Jonah, Origo 1970
...(die Schule). ‘‘Sie könnte die Umkehr veranlassen, sie könnte auf den Gedanken bringen,
dass die Welt zu einem andern Zweck erschaffen wurde als zu dem, was man das ‘normale‘
Weltbild nennt. Sie könnte menschliche Liebe zeugen, zwischen Lehrer und Schüler, sie
könnte die Schüler ihren Wert als Mensch für die Welt lehren.‘‘
Friedrich Weinreb - Das Buch Jonah, Origo 1970 s.292
‘‘Am schlimmsten scheint es mir zu sein, wenn eine Schule hauptsächlich mit den Mitteln von Furcht,
Zwang und künstlicher Autorität arbeitet. Solche Behandlung vernichtet das gesunde Lebensgefühl,
die Aufrichtigkeit und das Selbstvertrauen des Schülers. Sie erzeugt den unterwürfigen Untertan...
Ein wahrer Pazifist ist nur derjenige, der für eine internationale gesetzliche Ordnung arbeitet. Streben
nach Neutralität und Isolierung von Seiten einer mächtigen Nation trägt nur zur Anarchie der internationalen
Verhältnisse bei und führt so indirekt zu Situationen, die zum Krieg zwingen.‘‘
Albert Einstein - Frieden, ExLibris 1976 p.288f
‘‘Die meisten und schwersten Sorgen werden ja nicht gedacht, kommen nicht zum Bewusstsein,
aber da sind sie, aber im Traum, zuweilen auch im Wachen, stürmen sie plötzlich hervor; da gibt
es dann Herzklopfen, jagende Pulse, Ermattung und Todesangst. Und bei erregbaren Gemütern,
die der Sorge überhaupt zugänglich sind, kommt es auch am ehesten zu Gasansammlungen in
Magen und Darm, die dann ihrerseits auf Herz und Kreislauf drücken.‘‘
‘‘Ja, wer die Angst den Menschen nehmen könnte und das kleinliche Sorgen, der wäre ein rechter Arzt.
Zahllos sind die Menschen, die schon beim Erwachen die Peitsche der Hast hinter sich fühlen, die Sorge,
nicht fertig zu werden, die Pein des Selbstmisstrauens und das Gefühl, gehetzt zu sein. Tue ein jeder das
Seine, diesem Elend abzuhelfen, es ist so leicht da zu helfen, mit einem ruhigen Wort, einem geduldigen
Anhören, einem einfachen Halten der Hand.‘‘
Dr. med. Georg Groddeck - NASAMECU, Der gesunde und der kranke Mensch,
Verlag von S. Hirzel, Leipzig 1913 p.160
‘‘...aufräumen...‘‘
‘‘Was dies bedeutet versteht man erst, wenn man bedenkt, dass das spielende Kind in einer Phantasiewelt,
man könnte auch sagen, in einer Art Traumwelt lebt. Wenn man nun verlangt, dass das Kind aus eigenem
Antrieb aus dieser Welt erwachen soll, so ist das ungefähr genauso, wie als wenn man ihm befiehlt: heute
Nacht musst du um zwölf Uhr von selbst erwachen. - Ist das Kind von seinem Spiel oder Spielzeug ganz
und gar gefesselt, so wird es erst davon abstehen, wenn etwas anderes seine Aufmerksamkeit erregt...
Das kann das Kind nicht von sich aus, und wenn wir es dazu dressieren, üben wir einen abtötenden Einfluss
auf seine Phantasie aus und tragen dadurch zu einem zu frühen Erwachen des nüchternen Verstandes bei,
was wieder auf Kosten der Entwicklung der Organe geht, wodurch dann schliesslich das Kind nicht nur in
seiner körperlichen Gesundheit und in seinem Gefühlsleben, sondern auch in seiner späteren Denkfähigkeit
zurückbleibt: das Bild des modernen Kindes.‘‘
Dr. Udo de Haes - Kinderwelt Märchenwelt, J. Chr. Mellinger-Verlag 1965 p. 35
‘‘Eine besondere Liebe hatte ich für Bach. Diese Welt der Reinheit und Gesetzmässigkeit zog mich
im Innersten an. Als ich später den gregorianischen Choral kennen lernte, fühlte ich mich erst recht
heimisch, und von hier aus vestand ich dann, was mich an Bach so bewgt hatte.‘‘
Edith Stein - Aus dem Leben einer jüdischen Familie 1965 p.109f
Fast zwei Jahrhunderte lang haben wir Menschen der westlichen ‘‘Aufklärung‘‘ versucht, uns gegen
die Existenz der anderen Dimension unseres Daseins zu sperren, sie als irrationalen Unfug abzutun.
Darüber ist Europa krank geworden. Rational sind wir im Begriff, zu verdorren. Das irrationale aber
verschafft sich, wenn es verdrängt wird, hinterrücks einen Raum, und es äussert sich als ein Heer von Süchten.
Ingeborg Clarus - Keltisch Mythen Walter Verlag 1991 p.96
‘‘...es ist leicht, im abstrakten Sinne von grossen Idealen zu sprechen. Es ist leicht zu deklamieren,
wie die Menschheit dem Wahren, Schönen und Guten zustreben muss...- Darin liegt das Wirken zum
Heil und zum Glück und zur Lebensfähigkeit im sozialen Leben, dass wir ganz im einzelnen die Aufgabe
angreifen, die uns das Leben stellt. Wenn wir richtig denken können über Ideale, über Ideen, dann sind
Ideen jedem heilig. Wenn wir von Idealen nicht sprechen wie von unbestimmten, nebulosen Dingen - das
ist mit hohlen, mit leeren Worten gesprochen -, wenn wir mit Idealen so herumwandeln werden, indem
wir uns bewusst sind, dass wir in der ganz konkreten Arbeit an diesen Idealen arbeiten, dann trägt man
viel mehr als durch schönes Gerede gerade zum Fortschritt und zur Entwickelung der Menschheit bei.‘‘
Rudolf Steiner in der Waldorfschule Rudolf Steiner Verlag 1980 p.111
‘‘Dieser Glaube nahm bei mir die gewohnte Form an, die er bei der Mehrzahl der Gebildeten
unserer Zeit hat. Er wurde durch das Wort ‘‘Fortschritt‘‘ bezeichnet. Damals meinte ich, es
sei mit diesem Wort etwas gesagt. Ich hatte damals noch nicht begriffen, dass ich, der wie
jeder lebendige Mensch, bedrängt von den Fragen, wie ich besser lebe, mit der Antwort:
Lebe dem Fortschritt gemäss! - ganz so antworte, wie ein Mensch,der in einem Kahne sitzt
und von Wellen und Wind getrieben wird, auf die wichtigste Frage: wohin steuern? ohne auf
die Frage zu antworten, sagen würde: Es führt uns irgendwohin.
Damals merkte ich das nicht.‘‘
Leo N. Tolstoj - Meine Beichte Eugen Diederichs 1922 p.23
‘‘Die gesamte Entwickelung des menschlichen Lebens setzt sich zusammen aus demjenigen,
was wir wachend durchleben und demjenigen, was wir schlafend verbringen. Und wir achten
nicht darauf, dass, wenn wir zurückschauen, wir immer den Morgen an den Abend anstückeln,
und dasjenige aus dem Bewusstsein herausfallen lassen, was wir mit ihm nicht erreichen können,
was sich dem Bewusstsein entzieht, dass wir ausschalten die Strecken, die wir verschlafen haben.
Nun fragt es sich, ob denn für den Menschen dasjenige, was ihm seelisch-geistig der Schlaf gibt,
nicht ebenso wichtig sein könnte wie dasjenige, was ihm der Wachzustand gibt.‘‘
Rudolf Steiner - ...was soll die Anthroposophie? Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung 1961 p.191
‘‘Man spricht viel von Rhythmus. Ist man sich darüber klar, dass er nur dann entsteht, wenn zwei
Dinge aufeinandertreffen? Dass ein Einzelnes nicht schwingen kann? Hat man sich schon einmal
am Bilde eines Grashalms, der im Winde hin und her wiegt, klargemacht, dass der Rhythmus
nicht in dem Grashalm selbst steckt, ebensowenig wie er im Winde steckt, sondern dass er das
Zusammenspiel beider ist? Ist nicht gerade das schwingende Stimmband, durch das der Atem fährt,
das Wort, der Logos, das Gleichnis dafür?
Nun, so ist es auch mit dem Menschen. Die Lebensschwingung steckt nicht in ihm selbst. In ihm
selbst steckt der Tod. Das ist das Erbteil aller Kreatur. Die Schwingung kommt dann zustande,
wenn er sich, vom Urbild erregt, innerlich gelöst hält: dann schwingt er in jenem gemheimnisvollen
Fluidum, dessen Namen so zahllos sind, wie es Menschen und Gemeinschaften gibt.‘‘
Hugo Kükelhaus - Urzahl und Gebärde 1980 p.229
‘‘Das uralte Fest der Dionysien wurde einst von unseren Ahnen in aller Schlichtheit, aber voller Fröhlichkeit begangen. Voraus trug man einen Krug Wein und Rebenzweige; dann führte jemand einen Bock, und ein anderer folgte mit einem Korb voll Feigen, zuletzt kam der Phallos. Aber jetzt ist dies alles vergessen und verschwunden. Jetzt ziehen im Festzug goldene Gefässe, kostbare Gewänder, Gespanne und Masken an dir vorbei. Was der Reichtum an notwendigen und nützlichen Dingen besass, wurde auf diese Weise alles von unnützen Überflüssigkeiten verdrängt...
Sokrates und Diogenes hätten gewiss gesagt:
»Was für unermessliche Armseligkeiten!»‘‘
Plutarch – Moralia Dieterich‘sche Verlagsbuchhandlung 1942 p.125
Muhammad Yunus Für eine Welt ohne Armut p.272
" Weshalb sind sie auf diese Weise vorgegangen?
Weil alle Menschen einen angeborenen Instikt besitzen, den zum Überleben nämlich.
Der Umsand, dass die Armen leben, ist ein klarer Beweis für diese Fähigkeit. Sie haben
es nicht nötig,dass wir sie darin unterweisen. Statt also unsere Zeit damit zu vergeuden,
dass wir ihnen neue Fähigkeiten beizubringen suchen, haben wir uns dazu entschlossen,
einen maximalen Nutzen aus ihren vorhandenen Fähigkeiten zu ziehen. Indem wir den
Armen Kredite gewähren, erhalten sie die Möglichkeit, ihr vorhandenes Können sofort
gewinnbringend umzusetzen - zu weben, Kühe aufzuziehen, Rischka zu fahren etc.
Die öffentlichen Entscheidungsträgfer, internationale Berater und zahlreiche Nicht-
Regierungs-Organisationen schicken jeder ihrer Massnahmen gegen die Armut ein
ausgeklügeltes Ausbildungsprogramm voraus. Dafür gibt es drei Gründe: Erstens gehen
von der Annahme aus, dass die Menschen Arm sind, weil sie keinerlei Qualifikationen besitzen,
und dass sie nicht mehr arm wären, wenn sie ein besässen. Zweitens entsprechen diese
Ausbildungsprogramme ihren eigenen Interessen: Sie beschaffen sich so noch mehr
Arbeitsplätze, Karriereperspektiven und bedeutende Finanzmittel, ohne Ergebnisse
nachweisen zu müssen. Sie können etwas vortäuschen und den Eindruck vermitteln,
als würden sie handeln. Drittens fällt ihnen sonst nichts ein, was sie tun könnten."
"Obwohl offiziell die Nationalbanken, bzw. die Europäische Zentralbank mit ihrer gegenwärtigen
Niedrigzinspolitik versuchen, neues Geld über günstige Kredite in die Realwirtschaft zu leiten,
verschwinden diese neuen Gelder aus den oben genannten Gründen vorwiegend in die Finanzmärkte
mit ihren Spekulationen zur Profitmaximierung, natürlich auf Kosten der Realwirtschaft. Dieses
Aussaugen der Realwirtschaft verursacht wiederum ständig neue Kreditnotwendigkeiten. Die
Geldschöpfung nimmt damit immer schneller zu und übersteigt mittlerweile um ein Vielfaches
den Anstieg der Realwirtschaft. Das Geld wandert damit immer mehr von arbeitenden Menschrn
in der Realwirtschaft zu den rein profitorientierten Spekulanten. Ein Zusammenbruch unseres
heutigen Geldsystems ist daher nur eine Frage der Zeit."
Uwe Burka: 'Jeder kann die Zukunft mitgestalten' p.151
Gerade weil die Republik in demokratische Formen gehüllt ist, garantiert sie der raubgierigen und reichen Minderheit in viel stärkerem Masse eine ruhige und sichere Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung.